Die Dokumentation ist für den katholischen Religionsunterricht besonders wertvoll, weil sie Lernenden dazu anregt, das Geschehen der Kreuzigung Jesu sowohl aus historischer als auch aus theologischer Perspektive zu betrachten. Sie eröffnet den Zugang zu grundlegenden Fragen: War Jesus tatsächlich ein historischer Mensch? Warum wird ein Folterinstrument zum zentralen Symbol einer Religion? Und inwiefern verändert der Glaube an den Gekreuzigten das Verständnis von Zeit, Geschichte und Heil? Der Film macht anschaulich, dass die Kreuzigung nicht isoliert zu betrachten ist, sondern eine doppelte Bedeutung hat: Sie ist ein historisches Ereignis, das in den Kontext römischer Machtpolitik gehört, und zugleich ein heilsgeschichtliches Geschehen, das die Christenheit als Sieg Gottes über Sünde und Tod versteht.
Im Unterricht kann die Dokumentation genutzt werden, um Schülerinnen und Schüler mit der Spannung zwischen historischem Wissen und Glaubensaussage vertraut zu machen. Ein Einstieg über eine Szene des Films, die die Kreuzigung als historisches Faktum darstellt, kann dazu dienen, die Lernenden für die Frage nach der Historizität Jesu zu sensibilisieren. Anschließend kann in einer vertiefenden Phase herausgearbeitet werden, wie der Glaube über das Historische hinausgeht: Kreuz und Auferstehung sind keine bloßen Daten, sondern zentrale Glaubensgeheimnisse, die den Sinn des menschlichen Lebens und den Lauf der Geschichte deuten. In einer Diskussion lassen sich die Paradoxien der Kreuzigung thematisieren: das Paradox der Schwäche als Stärke, des Scheiterns als Sieg, des Todes als Weg zum Leben.
Ein besonderer Mehrwert für den Unterricht liegt auch in der Frage nach der christlichen Zeitrechnung. Der Film verdeutlicht, dass mit Christus eine neue Epoche beginnt, die nicht zyklisch, sondern linear auf ein Ziel hin verläuft. Daraus ergibt sich die Möglichkeit, mit den Schülerinnen und Schülern über unterschiedliche Zeit- und Geschichtsverständnisse zu sprechen – etwa im Vergleich zum Judentum oder zu anderen Religionen – und die Bedeutung der Auferstehung als Zielpunkt des christlichen Glaubens zu reflektieren.
Methodisch bieten sich unterschiedliche Zugänge an: Die Lernenden können in Textarbeit biblische Passagen zur Kreuzigung und Auferstehung mit den Aussagen des Films vergleichen. Sie können sich in kreativen Formaten mit der Symbolik des Kreuzes auseinandersetzen, etwa in Form von Bildinterpretationen, Symbolcollagen oder kurzen Meditationstexten. Ebenso können Diskussionen zu Fragen nach der Relevanz der Kreuzigung heute angeregt werden: Warum ist das Kreuz bis heute ein Hoffnungszeichen? Welche Bedeutung hat es in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler? So wird die Auseinandersetzung mit der Kreuzigung zu einem Lernprozess, in dem historisches Verstehen, theologische Deutung und persönliche Glaubensfragen zusammenfinden.